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Tantra ist ein spiritueller Weg – ein Weg der Bewusstseinserweiterung und der Lebenskunst.
Die Unterschied zu den anderen Wegen besteht darin, dass ein Tantriker ganz bewusst die Aufmerksamkeit auf die Lust richtet, und auch auf Prozesse und Gefühle, die die Lust im Bewusstsein hervorruft, so findet die Entwicklung statt. Der Unterschied zum Hedonismus (eine philosophische Strömung, die die Lust als höchstes Gut und Bedingung für ein gutes Leben ansieht) besteht darin, dass ein Tantriker seinem Wunsch die Lust zu empfinden nicht blind nachgeht, sondern zuerst diesen Wunsch in sich selbst beobachtet, damit er in der Lage wird alle Folgen, die die Befriedigung der Lust mit sich bringen wird, tief einzusehen und zu verstehen. Auf die Lust, die nicht vom Herzen kommt und durch die Liebe nicht getragen wird, wird zuerst verzichtet.
Eine der stärksten Energien in unserem Körper und in unserem Geist ist die sexuelle Energie, die Sexualität. Sexualität dient nicht nur der Erhaltung des Lebens auf der Erde (Fortpflanzung), sondern sie ist auch die Quelle eines sehr starken Vergnügens. Man darf auch behaupten, dass Sex sogar das stärkste Vergnügen ist. Denn alles im Kosmos ist sexuell bedingt, alles geschieht auf der Grundlage des Zusammenwirkens vom Männlichen und Weiblichen. Darum nutzt man im Tantra vor allem die sexuelle Energie um die Lust zu studieren, zu verstehen und bewusst zu steuern. Ein Tantriker zu werden bedeutet deshalb klar und deutlich diese Energie zu sehen und zu fühlen, ihren subtilsten Fluss und ihre Form zu erkennen, um selbst ganz bewusst die eigene Sexualität zu nutzen und mit ihrer Hilfe die Kunst zu erlernen sich selbst und andere Menschen zu vervollkommnen.
Leider setzte sich die Entwicklung unserer Sexualität im Verlauf der Evolution und der menschlicher Geschichte nicht immer korrekt und konsequent durch. Als Hindernis für eine gesunde Entwicklung diente vor allem der weit verbreitete Wunsch und das Streben die Sexualität irgendwelchen immer ganz unterschiedlichen, aber immer auch ganz festen Normen und Gesetzen zu unterwerfen: moralischen, sozialen, politischen. Dies gilt sowohl für die einzelnen Individuen als auch für die Gesellschaft allgemein. Das Ergebnis einer solchen Entwicklung sind oft verschiedenste Ängste, Störungen, Blockaden, falsche innere Einstellungen, irrationale Sterotypen, sture Überzeugungen und kontraproduktive psychologische Muster, mit denen Sexualität heute unmittelbar verbunden ist. Ausserdem beeinflussten die Sexualität sehr stark Ethik, Kultur, Geschichte, Religion, Ästhetik, Technik, Kunst, Wirtschaft, Gender, moderne Medien und Technologien und viele andere Wissensgebiete. Dieser Einfluss war nicht immer negativ betont, doch sein Produkt ist eine sehr komplexe Sexualität geworden, die historisch, kulturell, religiös und künstlich so stark konditioniert ist, dass der einzelne Mensch heutzutage kaum in der Lage ist seine eigene Sexualität und die Erscheinungsformen der sexuellen Energie anderer Menschen adäquat wahrzunehmen, zu interpretieren und zu beurteilen.
Tantra als spiritueller Weg der Suche und der Akzeptanz der eigenen sexuellen Natur setzt sich das Ziel, die Sexualität von allen überflüssigen und nutzlosen festen Schichten der Konditionierung zu befreien, um darunter das Wesentliche, den Kern zu enthüllen, der die Liebe ist. Mit Hilfe vom Tantra ist es möglich destruktive Muster, Programme, Störungen und Überzeugungen aufzudecken, zu studieren und zu überwinden. Dabei kann der Mensch diejenigen z. B. kulturell bedingten sexuellen Erscheinungsformen beibehalten, die sich ihm als nutzvolle, attraktive oder einfach schöne erwiesen haben. Mit anderen Worten gesagt, ist Tantra der Weg der Befreiung der Sexualität von der schweren Last ihrer Geschichte und von allen damit verbundenen Irrtümern, wobei sie gleichzeitig der Weg der bewussten Akzeptanz von wirklich wahren, schönen und guten Formen der Sexualität und der Lust ist.
In Fall einer erfolgreichen tantrischen Praxis entwickelt der Mensch eine tiefe und bewusste, ganzheitliche und dynamische Sexualität, die ihm nicht nur Freiheit und Selbständigkeit in der Partnerschaft und in der Beziehung mit seinen Mitmenschen gestattet, sondern auch negative Energien und Emotionen positiv transformiert, die unmittelbar mit der Sexualität verbunden sind. Dadurch wird persönliches und geistiges Wachstum gewährleistet, z. B. in solchen Bereichen wie Kreativität, Studium, Arbeit, Sport, Kindererziehung oder Verbesserung der beruflichen Situation. Ein integraler Tantriker ist ein Lebenskünstler, der der bewusste, freie und kreative Schöpfer seines eigenen Seins ist.
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